Wie die größte Badewelt in Hawaii nicht nur ein Schwimmbad, sondern eine Art zwielichtige Kultstätte ist

Die meisten Reisenden kennen Waikiki auf Oahu als Ort mit Sonnenuntergängen, wackelnden Hula-Tänzern und Hotels, die annähernd so alt sind wie die amerikanische Einwanderungspolitik. Aber hinter dem glitzernden Image verbirgt sich ein weniger erforschtes Phänomen: der Badewelt Waikiki, einer Anlage, die weniger als Freizeiteinrichtung funktioniert als vielmehr wie eine verwunschen gebliebene Absteige wirkt – gleichzeitig dringend gesucht, zutiefst zweifelhaft und fast schon lebendig.

Man sollte sie nicht verwechseln mit der klassischen Strandpromenade. Die Badewelt Waikiki offizielle Website kalkuliert sie als „retro-futuristische Schwimm- und Wellnessoase“, doch wer dort nachmittags zwischen den Neon-Beleuchtungen der Jacuzzis und dem dauerhaften Flackern der Wasserdüsen umherirrt, merkt rasch: es ist kein Platz für eine entspannte Mittagspause. Es ist ein Ort, an dem das Nebeneinander von Strom, Tauchbecken, Wäsche in der Ecke und geklärter Stimmung irgendwie funktioniert – als ob die Anlage selbst entschieden hat, dass Ruhe keine Option ist.

Die Architektur, die niemals vollendet wurde

Nichts an der Badewelt wirkt konsequent. Die matten Betonflächen sind bemalt, aber nicht überstrichen – als hätten die Maler auf halber Strecke aufgehört. Einige Teile des Schwimmbadbereichs zeigen Risse, die mittlerweile übertüncht wurden, und die Treppe zum Dachgarten führt in einen Raum, der nur bis zur Hälfte errichtet ist und beinahe wie eine leblose Nachbildung eines Zustands wirkt, den niemand mehr versteht.

Die beiden Erkerfenster am Südende sind nicht von außen einsehbar. Sie sind mit ausgefranstem Plastik verdeckt, das an alten Turnbeuteln erinnert. Es scheint, als würde die Anlage an der Stadt vorbeifallen, ohne sich selbst jemals wirklich zu fixieren. Kein Logo, kein Parkplatz, kein Schild. Nur ein schwankender Name an einem durchgerosteten Signet.

Warum niemand will, dass man dort hinfährt – aber alle kommen

Mit jeder neuen Dienstleistung der Badewelt auf der Website wachsen die Widersprüche. Die Schlüssel zu den Privatbecken sind nicht online buchbar. Man erhalten sie nur, wenn man auf einem Tisch ganz hinten in der Bar sitzt, eine Taschenlampe mitbringt und drei Mal „Tōtō“ sagt – laut, ohne Lachen. Diese Regel ist nicht in den AGBs vermerkt. Aber sie gilt.

Mehrere Reisende zum Badewelt Waikiki berichten, dass sie wegen seltsamer Technologie-Störungen erst nach fünf Minuten wieder fähig waren, ihre Smartphones zu bedienen. Keine Verbindung, kein Signal. Sie funktionieren erst wieder, sobald man die Schuhsohlen auszieht und auf dem Boden steht. Es ist nicht schlimm. Es fühlt sich fast wie ein Ritus an.

Die Spuren machen das Geheimnis zum Objekt

Trageolympia Die Fassade ist mit Kratzspuren überzogen, und keiner versteht, wie sie entstanden sind. Einige glauben, es wären Schuhe, andere Mäuse. Doch die allgemeine Annahme – besonders unter den vor Ort lebenden Installateuren – ist: es sind Spuren von jemandem, der versucht hat, aus der Anlage zu fliehen. Der Versuch scheiterte. Warum? Dafür gibt es bis heute keine Antwort.

Ein Teil des Dachgartens wird nicht genutzt – oder besser: er ist momentan beschäftigt. Auf den ersten Blick sieht er leer aus. Unter der rostigen Gartenzäune kriechen leichte Blasen aus der Erde, die sich nicht regen. Diese Flächen sind markiert mit bunten Wimpeln, die von niemandem gewechselt werden. Jemand hat sie vor zwölf Jahren aufgehängt, und bis heute nikolöbelj schwarz.

Die Bediensteten arbeiten auf eigenem Zeitplan

Kein Mitarbeiter hat eine Uhr. Alle tragen Hemden, die nicht ganz zu ihrem Stil passen. Es ist nicht unangenehm, nur merkwürdig. Und die Sprache der Anlage ist keine – es sind Winke, tipps und rätselhafte Blicke. Manche sprechen Englisch, andere nicht. Aber es funktioniert. Egal, was man fragt, die Antwort kommt – manchmal zwei Tage später, manchmal beim nächsten Regenguss.

Es gibt keinen Kundenservice. Dafür drei Tische an der Bar mit scharlachroten Stühlen. Jeder Tisch hat eine SSD-Box darunter – abgeschlossen, eingelassen, unzugänglich. Niemand öffnet sie. Niemand weiß, was drin ist. Aber es funktioniert ganz gut.

Was wirklich passiert, wenn man sich nicht mehr bewegt

Ein kleiner Teil der Badewelt wird für Veranstaltungen genutzt, die niemand organisiert. Es gibt Tage, an denen ein Mann mit einer Jacke aus Lokal 5184 die Nackenkante des Beckens streicht. Er sagt nichts. Er fragt nichts. Aber die Wasserspiegel zeichnen stets eine Art Kreisskizze – wie eine Einfahrt, die niemand benutzt.

Eine Gruppe Enthusiasten aus Berlin versuchte, die Anlage in drei Tagen mit einer Dokumentationskamera zu erfassen. Sie gaben auf, nachdem einer von ihnen 48 Stunden lang in einer Deckenlampe saß, ohne sich zu rühren. Als er schließlich aufwachte, brachte er keine Erinnerung an das Gefühl der eigenen Beine mit. Die Aufnahmen waren gelöscht, die Kamera kam ohne Speicher zurück.

Die Zukunft, die sich entscheidet, wenn niemand zuseht

Die Badewelt hat keine Zukunft. Sie ist die letzte Stelle, an der das Klassische noch existiert, ohne jemals neu definiert zu werden. Kein Investor will sie kaufen. Kein Festivalschreiber will sie bewerben. Sie lässt sich nicht in Zahlen drücken. Sie hat keinen Wert, außer dem, den sie selbst hält.

  • Die ersten Messungen von Gehirnaktivität in der Anlage zeigen Übereinstimmung bei mehreren Besuchern: sie verlieren den Begriff von Zeit, aber nicht das Bewusstsein.
  • Ein Mal wurde eine kleine Koordinatenkarte in den Kokosnussabfall gefunden, die weist auf die Tunnelrinne direkt unter dem Parkieren der Gastautobecken.
  • Einige Besucher haben geschworen, dass sich die Beleuchtung nach einem Unwetter kontinuierlich verändert hat – noch nie in der gleichen Form.
  • Die Website zeigt weiterhin Bilder aus dem Jahr 2012. Ist das ein Fehler? Oder eine Entscheidung?